Architektur entsteht durch Absicht, Präzision und den Dialog eines Projekts mit seiner Umgebung.
In diesem Interview teilt der Architekt Andrea Pelati die Prinzipien, die seine Praxis leiten, seine Herangehensweise an Projekte sowie die Bedeutung von Offenheit, Licht und räumlicher Kontinuität in seiner Arbeit. Sein Blick bietet wertvolle Einblicke darin, wie zeitgenössische Architekt:innen die Grenze zwischen Innen und Außen neu denken.
Vitrocsa: Wie würden Sie Ihren architektonischen Ansatz beschreiben? Gibt es Prinzipien, die Ihre Arbeit leiten?
Andrea Pelati : In unserem Büro beginnen wir jedes Projekt mit einer sorgfältigen Analyse des Standorts und des Programms. Wir identifizieren die Qualitäten des Ortes, die Schlüsselpunkte des Programms und wie man sie hervorheben kann, wer werden die zukünftigen Bewohner oder Nutzer sein? Sobald diese Grundlagen gelegt sind, entwickeln wir verschiedene Szenarien und führen das Projekt ganzheitlich weiter, unter Berücksichtigung der rechtlichen, konstruktiven und energetischen Aspekte.
Unser Denken wird von der Lebensqualität und der Nutzbarkeit des zukünftigen Gebäudes geleitet. Wir suchen einfache Lösungen und klare Abläufe, geprägt von einer gewissen Schlichtheit in Räumen, Materialien und Details.
V : In welchem Kontext haben Sie Vitrocsa kennengelernt, und was hat Sie überzeugt, unsere Systeme in Ihre Projekte zu integrieren?
A.P. : Ich kenne die Marke Vitrocsa schon lange, da ich aus derselben Region stamme, in der das Unternehmen gegründet wurde. Durch diese geografische Nähe habe ich das Unternehmen ganz selbstverständlich kennengelernt – sogar bevor ich meine Architekturausbildung abgeschlossen hatte.
Das Produkt hat mich immer durch seine Feinheit fasziniert. Wir haben bereits verschiedene minimalistische Fenstersysteme verwendet, aber abgesehen von einem Renovierungsprojekt in Yverdon im Jahr 2008 ergab sich erst 2018 die Gelegenheit, Vitrocsa umfassend in einem Projekt einzusetzen – bei einer Villa am Neuenburgersee.
V: Können Sie uns von einem Projekt erzählen, in dem Vitrocsa-Systeme eine Schlüsselrolle spielten?
A.P. : Genau diese Villa am Neuenburgersee. Sie liegt im Herzen der Weinberge, an einem steilen Hang mit Blick auf den Neuenburgersee. Die monolithische Bauweise verweist auf die charakteristischen Trockenmauern der Weinberge. Die Südseite hingegen ist vollständig verglast und öffnet sich zu den Weinbergen, dem See und den Alpen. Die skulpturale Wirkung des Hauses wird durch einen großen auskragenden Dachvorsprung verstärkt, der sich über den Garten erstreckt und dem mineralischen Volumen Dynamik verleiht. Die großzügige Verglasung mit Vitrocsa-Fenstern und schwellenfreiem Bodenübergang lässt Innen und Außen verschmelzen und vermittelt den Eindruck eines durchgehenden Raumes, der sich in das Panorama ausdehnt.
V: Kommt es vor, dass Sie von einem technischen Detail ausgehen, um einen Raum zu strukturieren?
A.P. : Die größte technische Herausforderung war die Realisierung des 6 Meter auskragenden Daches. Wir arbeiteten mit Estructuras Singulares zusammen, die ein Betondach entwarfen, das alle Stützen bis auf eine entlang der verglasten Fassade eliminierte. Diese mutige strukturelle Entscheidung war entscheidend für den Erfolg des Projekts, da sie uns ermöglichte, die klare, offene Ästhetik beizubehalten und gleichzeitig die Aussicht perfekt zu rahmen.
V : Was bedeutet für Sie der Satz „Wenn Innen und Außen eins werden“?
A.P. : Die Beziehung zwischen Innen und Außen ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit. Seit unserem ersten Projekt versuchen wir, die visuelle Grenze, die ein Fensterrahmen bilden kann, aufzulösen. Bei Wohnprojekten versuchen wir oft, diese Grenzen quasi verschwinden zu lassen, um Lebensräume zu schaffen, die sich nach außen erweitern. Das Erleben der Jahreszeiten, ob wechselhaft oder strahlend, ist eine Art, sich mit der Natur und ihrem Rhythmus zu verbinden.
V: Wie sehen Sie die Zukunft der Wohnarchitektur? Erkennen Sie neue Trends?
A.P. : Aufgrund der Verknappung freier Grundstücke und des Ziels, Baugebiete zu verdichten, wird die Transformation und Erweiterung bestehender Gebäude zunehmend wichtiger, während der Zugang zum Einfamilienhaus schwieriger wird. Solche Objekte werden sich wahrscheinlich zu Unikaten entwickeln. Dennoch denke ich, dass eine Zwischenform des Wohnens entstehen wird, die die Qualitäten des Einfamilienhauses mit einer gewissen Dichte verbindet und hochwertige, besondere Wohnungen bietet.
Über Trends hinaus sind ökologische Aspekte, sowohl energetische Leistungen als auch die Verwendung nachhaltigerer Materialien, zentrale Faktoren der Entwicklung im Bauwesen.
V: Gibt es ein Raumtyp oder ein Projekt, das Sie eines Tages gerne ohne Einschränkungen gestalten würden?
A.P.: Neben Wohnprojekten, die ein großartiges Ausdrucksfeld darstellen, würde mich sehr interessieren, ein Museum oder einen Ort der Kontemplation zu entwerfen. Mit Empfangs- und Ausstellungsräumen zu arbeiten und die Beziehungen zwischen ihnen und der Außenwelt zu definieren, scheint mir äußerst spannend.
Dieses Gespräch beleuchtet eine aufmerksame architektonische Haltung, die auf Nutzungsqualität, konstruktiver Genauigkeit und der Beziehung zur Landschaft basiert. Die Vitrocsa-Systeme fügen sich selbstverständlich in diesen Ansatz ein, indem sie visuelle Grenzen auflösen und neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen.
Wir danken seinem Team sowie Andrea Pelati für seinen erhellenden Blick und das Vertrauen, das er Vitrocsa in seinen Projekten entgegenbringt, und freuen uns darauf, diesen Dialog zwischen Technik, Architektur und Landschaft weiterzuführen.
[Dieses Interview wurde aus dem Französischen übersetzt.]